3 Fragen an Carmen Kirschner und Berenice Pahl

Carmen, wie kamst Du auf die Idee, einen Theaterabend zu entwickeln, der sich u.a. mit der Geschichte der freien darstellenden Kunst in Wien auseinandersetzt
und zwei damalige Protagonistinnen dieser freien Szene – Helga Illich und Johanna Tomek – in den Mittelpunkt stellt?

Carmen: Ich habe Helga und Johanna jeweils durch Arbeiten am Theater kennengelernt. Ihr Schaffen, ihr langjähriger Erfahrungsschatz und ihre Persönlichkeiten haben mich fasziniert. Sie sind zu Role Models für mich geworden – Frauen, mit denen ich mich identifizieren kann, die vor mir den Weg der Theatermacherinnen gegangen sind. Ich habe ihnen so unglaublich gerne zugehört! Und als mir klar wurde, dass sie heute weit nicht so bekannt sind, wie sie sein sollten, habe ich beschlossen diesen von ihnen inspirierten Theaterabend zu realisieren.

Berenice, du hast damals viel bei Johanna Tomek im Theater mbH gespielt. Wie war es für dich, deine Erfahrung von damals in das heutige Stück einzubringen? 

Berenice: Zum einen habe ich mich unglaublich gefreut, da ich, nachdem die Theater mbH durch die Theaterreform abgesägt wurde, keine/n Regisseur*in mehr gefunden habe, die Frauen intelligent inszenierte. Ich habe 2003 einen Dokumentarfilm zur Reform gemacht, in dem Johanna oft zu Wort kam. Teile davon sind in den Probeprozess eingeflossen. Zum Beispiel die Tatsache, dass die freie Szene damals weniger institutionalisiert war als heute, was einen kreativeren Prozess erlaubte. Insbesondere die Frage nach der Achtsamkeit im Theater ist zwar heute ein großes Thema, doch in meinen Erfahrungen mit Johanna stand die Menschlichkeit im Vordergrund, die ein empathisches Miteinander einschloss. 

Die Themen Eures Theaterabends sind vielfältig, es geht um Rollenbilder, Vorbilder, weibliche Regie – von den 80er Jahren bis ins Heute. Was hat Dich in der Recherche zu diesem Theaterabend überrascht? 

Carmen: Mich hat überrascht, dass sich Helga und Johanna selbst gar nicht als Feministinnen gefühlt haben! Dass Helga dann aber nur weibliche Autorinnen inszenierte, beschrieb sie als einen Zufall. Außerdem war eine wichtige Erkenntnis, dass diese Vorreiterinnen in allen Bereichen des Lebens da sind. Das Wissen ist da. Und wir können es für uns nutzen. 

Die Fragen stellte Hannah Lioba Egenolf.