3 Fragen an den Regisseur Alireza Daryanavard

Ich verstehe Deine Theaterarbeiten als explizit politische Stellungnahmen zu gesellschaftspolitischen Ereignissen und Missständen. Nun widmest Du Dich der „Operation Luxor“, der größten Polizeirazzia der Zweiten Republik im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. Was hat Dich bewogen, dieses Thema als Ausgangspunkt für Deinen neuen Theaterabend zu nehmen?

Ich glaube, wenn man sich mit der österreichischen Innenpolitik und ihrer Entwicklung im Hinblick auf Volksgruppen, Minderheiten oder verschiedene Gesellschaftsschichten beschäftigt, merkt man schnell, dass es hier vieles zu erzählen gibt – vieles, das über Jahre hinweg verdrängt wurde, oft aus politischen Interessen oder propagandistischen Gründen.

Die Operation Luxor ist dafür ein sehr deutliches Beispiel. Als ich begonnen habe, mich intensiver damit auseinanderzusetzen, wurde mir immer klarer, wie ungerecht und teilweise auch rechtswidrig das Ganze abgelaufen ist. Noch schockierender war – und ist – für mich, dass bis heute kaum darüber gesprochen wird und sich die Mehrheitsgesellschaft nur wenig damit auseinandersetzt. Trotz der vielen Stimmen von Betroffenen und Expert*innen, die immer wieder darauf aufmerksam machen, bleibt das Thema weitgehend im Hintergrund. Genau das hat mich
motiviert, daraus ein Stück zu entwickeln.

Wie ist der Text zur Inszenierung entstanden bzw. wie habt Ihr gearbeitet? Ihr habt auch viele Interviews geführt, oder?

Im Gegensatz zur Recherchephase, die sich über mehrere Jahre unregelmäßig hingezogen hat – auch weil die Ermittlungen noch liefen und es alle paar Monate neue Informationen und Berichte gab –, ging das Schreiben und Proben dann ziemlich schnell. Es war klar, was wir erzählen wollten und wie wir uns positionieren möchten.

Die Interviews und der Austausch mit Expert*innen und Betroffenen haben dabei eine sehr große Rolle gespielt. Sie haben nicht nur inhaltlich viel beigetragen, sondern auch unsere Perspektive geschärft und das Stück maßgeblich geprägt.

Wie sah die Zusammenarbeit mit der Dokustelle Österreich aus?

Wir hatten eine sehr gute Zusammenarbeit. Durch ihre Expertise und jahrelange Erfahrung konnte die Kooperation das Projekt nicht nur inhaltlich, sondern auch auf der Ebene der Community-Arbeit bereichern.

Es gab nicht nur einen intensiven inhaltlichen Austausch, sondern auch einen kuratorischen Dialog. Daraus ist schließlich die Idee entstanden, am 10. März eine ganztägige Veranstaltung zu kuratieren – mit einem gemeinsamen Iftar und einer Podiumsdiskussion.

Die Fragen stellte Hannah Lioba Egenolf.

Zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema empfiehlt die Produktion das Buch Wie ich zum Staatsfeind erklärt wurde. Die Operation Luxor und der Kreuzzug gegen den „politischen Islam“ von Farid Hafez.