3 Fragen an theaternyx*
In Eurem Ankündigungstext schreibt Ihr: „Aus den neuen Möglichkeiten von nachhaltiger Energie und überlebensnotwendiger Kooperation im Solarzeitalter spinnen theaternyx* die Anfänge einer Welt jenseits von Patriarchat und Kapitalismus“. Das klingt nach einer großen Utopie! Was ist Euer Antrieb für dieses Projekt?
In unseren Produktionen der letzten Jahre haben wir im Stadtraum und im Wiener Riesenrad Geschichten von möglichen Zukünften erzählt, in denen es darum ging, wie sich die große Transformation der kommenden fünfzig oder hundert Jahre an Wien als Stadt zeigt.
Für State of Empathy stellen wir den Fokus im Blick auf die Zukunft ganz neu ein. Die Fragen, die uns angetrieben haben, waren: Gelingt es uns vorzufühlen, wie es wäre, in einer auf Solidarität statt auf Gier gebauten Welt zu leben? Was erachten wir dann als wichtig? Mit welchen Schwierigkeiten kämpfen wir dort; und mit welchen eben nicht mehr?
Die große Utopie wird dadurch hoffentlich in vielen Details lebendig und parallel zu den Erzählungen auch sinnlich erfahrbar.
Apropos Utopie: Einige Eurer vorherigen Arbeiten bezeichnet Ihr auch als „spielerisches Utopietraining“. Was darf sich das Publikum darunter vorstellen?
Die Thematisierung unserer Vergangenheit, insbesondere jener, in der wir nicht gerade gut wegkommen, ist politisch unbeliebt geworden. Aktuell gibt es viel eher eine Suche nach gut verdaubaren Geschichten, die uns mit ihrem Sog in eine eigene Welt ziehen, in der im besten Fall das wohlvertraute Happy End auf uns wartet.
Diese beiden zeitgenössischen Tendenzen hängen für mich unmittelbar zusammen, beides sind nämlich Ausweichmanöver, ein bewusstes Nicht-Hinsehen auf das, was uns nicht wohlbekommt und beides verweist damit darauf, dass wir etwas ganz bewusst nicht wahrnehmen wollen.
Im Theater sehe ich die Kraft, insbesondere in Zeiten
wie diesen, sich der Vergangenheit zu stellen und ich
glaube, dass das Theater einen Raum schaffen kann, in dem wir gemeinsam über unsere Vergangenheit und unsere Verantwortung gegenüber dieser nachdenken können, zugunsten einer gemeinschaftlicheren Gegenwart.
Die Gegenwart gibt uns das Gefühl, dass sich alles immer noch mehr beschleunigt. Wie kommt ihr für den State of Empathy zur Annahme, das Leben in der Stadt wäre in der Zukunft langsamer?
Einerseits spielen wir mit der Idee, dass sich mit den erneuerbaren Energieformen nicht die gesamte Power der fossilen ersetzen lässt. Es wird nicht für alles, was wir heute gewohnt sind, immer Energie geben.
Andererseits stellen wir uns gegenseitige Fürsorge, Care-Arbeit, solidarische Hilfeleistungen und zwischenmenschliche Beziehungspflege als wichtige Säulen des „State of Empathy“ vor. Wenn all das eine Würde haben soll, die uns und unseren nicht-menschlichen Verwandten gerecht wird, braucht es Zeit und Langsamkeit.
Die Fragen stellte Hannah Lioba Egenolf.




