Blutbrot - Theater am Werk

Blutbrot

Der mit dem Kleist-Förderpreis für neue Dramatik ausgezeichnete Text Blutbrot von Miriam Unterthiner rückt ein wenig aufgearbeitetes Kapitel der Südtiroler Nachkriegsgeschichte in den Fokus: Die Fluchthilfe für Verbrecher des Nationalsozialismus.

Inhalt

Der mit dem renommierten Kleist-Förderpreis für neue Dramatik ausgezeichnete Text Blutbrot der Autorin Miriam Unterthiner wird im Theater am Werk zum ersten Mal auf einer österreichischen Bühne zu erleben sein. Der Text rückt ein bislang wenig aufgearbeitetes Kapitel der Südtiroler Nachkriegsgeschichte ins gesellschaftliche Bewusstsein: nach dem Ende des zweiten Weltkriegs leisteten Südtiroler*innen Fluchthilfe für Verbrecher des Nationalsozialismus wie Adolf Eichmann und Josef Mengele, indem sie ihnen die Überquerung des Brennerpasses (ein Grenzpass zwischen dem österreichischen Bundesland Tirol und der zu Italien gehörenden Autonomen Provinz Bozen-Südtirol) nach Italien ermöglichten.

Die Autorin wählt für diese historisch belastete Thematik eine poetisch-metaphorische Annäherung und lässt Figuren wie „Das Dorf“, „Das Brot“ und „Die Landschaft“ auftreten. Blutbrot thematisiert die tief verwurzelten Mechanismen des kollektiven Schweigens und stellt die Fragen, wie sich historische Verstrickungen in das kulturelle Gedächtnis einschreiben, welche Verantwortung eine Gesellschaft für ihre verdrängte Vergangenheit trägt und welche Rolle das Erinnern in der Gegenwart spielt.

Aus der Jurybegründung für den Kleist-Förderpreis 2025:

Poetisch verdichtet und zugleich konkret, formal virtuos und kraftvoll, mit feinem Humor und großen Bildern gräbt sich Blutbrot wortwörtlich in die Vergangenheit, die sich bis heute in den Körpern abgelagert hat. Und fast wie nebenbei kreuzt in die eine Fluchtgeschichte auch eine andere hinein, die von Angst vor „Überfremdung“, von Ressentiment und Feindseligkeit geprägt ist. Blutbrot schlägt die Brücke ins Heute, mit einer treffenden Metapher und poetischer Dringlichkeit.

„[Miriam Unterthiners] Stück Blutbrot darf als Glücksfall der neuen Dramatik gelten.“

Der Standard

„Da trifft gut gemachtes Theaterhandwerk auf einen ambitionierten Text.“

Kurier

„Eine unverdaute Geschichte, die in der Inszenierung von Tomas Schweigen recht g’schmackig daherkommt.“

Falter

-> 3 Fragen an Miriam Unterthiner

Es sind keine Veranstaltungen mehr am Spielplan

Credits

Tomas Schweigen
Der Regisseur Tomas Schweigen wurde 1977 geboren und studierte Regie an der Zürcher Hochschule der Künste. Er gründete dort die international koproduzierende Theater- und Performancegruppe Far A Day Cage (FADC) und inszenierte an Stadttheatern in Zürich, Bern, Basel, Wien, Berlin, Jena, München, Frankfurt, Hannover u.v.m. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet. 2012-2015 war er Co-Schauspieldirektor in Basel und von 2015-2023 leitete er das Schauspielhaus Wien. Mit seiner Inszenierung Faarm Animaal erhielt er 2023 den Nestroy-Preis für die „Beste Regie“. Seit 2024 widmet er sich vor allem diversen Kino-Projekten: Unter anderem entwickelt er derzeit mit Vera von Gunten im Rahmen eines Schweizer Story Labs den ersten gemeinsamen Langspielfilm.

Stephan Weber
geboren 1978 in Winterthur (CH), studierte Bühnenbild an der Norwegischen Theater Akademie in Fredrikstad. Diverse Arbeiten als Bühnen/Kostümbildner und Videokünstler führten ihn  u. a. ans Thalia Theater, Norwegisches Staatstheater, Schauspiel Frankfurt, Schauspiel Hannover, Staatstheater Schwerin und Schauspielhaus Graz. Von 2012 bis 2015 war er Bühnenbildner am Theater Basel, von 2015 bis 2023 Bühnenbildner und Teil des künstlerischen Teams am Schauspielhaus Wien.

Giovanna Bolliger
1987 in Basel (Schweiz) geboren, studierte in Bern Visuelle Kommunikation und realisierte während ihrer Assistenzzeit eigene Bühnenbilder u.a. für Simon Solberg, Bühnen-Illustrationen für Volker Lösch und Tomas Schweigen, unter dessen Intendanz sie schließlich von 2015 bis 2023 Teil des Künstlerischen Teams am Schauspielhaus Wien war und für die Grafik des Theaters verantwortlich zeichnete. Seit 2012 entstanden Kostüm- und Bühnenbilder sowie Bühnen-Illustrationen u.a. für Tomas Schweigen, Morten Joachim, Anna Marboe, Simon Solberg, Jan-Christoph Gockel, Elsa-Sophie Jach, Thomas Köck, Markus Heinzelmann, Simon Jensen und Pinsker+Bernhardt, welche sie an das Schauspielhaus Wien, Theater Basel, Riks Theater (NO), Norwegisches Nationaltheater, Oslo Nye, Theater Bonn, Landestheater Linz, Burgtheater Wien, FFT Düsseldorf und an das Staatstheater Braunschweig führte.

Martin Gantenbein
studierte Germanistik, Literaturkritik und Publizistik in Basel und Zürich. Er war als Schlagzeuger und Komponist in experimentellen Rock- und freien Improvisationsgruppen tätig und seit 1991 auch als Komponist für Theatermusik und als Bühnenmusiker (u.v.a. für Marcelo Dìaz, Niklaus Helbling, Tim Kramer, Thom Luz, François-Michel Pesenti, Kurt Josef Schildknecht und Tomas Schweigen u.a. für das Nationaltheater Mannheim, Opernhaus Dortmund, Schauspiel Frankfurt, Schauspiel Hannover, Schauspielhaus Zürich, Thalia Theater Hamburg, Theater Neumarkt Zürich, Theater der Jugend Wien und das Theater St. Gallen) und als musikalischer Leiter für Theaterproduktionen. Martin Gantenbein ist Mitbegründer und war bis 2012 Musiker, Darsteller und Produktionsleiter der freien Musik-Theater-Formation «Mass & Fieber Zürich». Zudem entwickelt er Sounddesigns für Choreografien, Hörspiele, Kurzfilme, Lesungen, Game-Apps und interdisziplinäre Installationen. Als Gastdozent für Musikdramaturgie in Schauspiel und Film lehrt(e) er an der Züricher Hochschule der Künste und an der Hochschule Luzern Design und Kunst.

Hannah Lioba Egenolf
studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie Komparatistik, Französisch und Musikwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und an der Universität Wien. Als Dramaturgin war sie tätig zunächst am Volkstheater Wien, an der Garage X und von 2014 bis 2023 als Leitende Dramaturgin am Werk X. Seit 2023 ist sie Leitende Dramaturgin & Programmkuratorin am Theater am Werk. Darüber hinaus unterrichtet sie an der Universität für angewandte Kunst in Wien. 2017 absolvierte sie die Weiterbildung „Theatermanagement“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist seit 2025 im Vorstand der Dramaturgischen Gesellschaft.

Hannah Zauner
studierte Kultur- und Sozialanthropologie, absolvierte Ausbildungen im Zeitgenössischen Tanz & Choreographie (La Faktoria, Pera & Seneca Intensive) und arbeitet in der freien Szene als Tänzerin und Choreografin für Film, Theater und Performance sowie als Regieassistentin mit Produktionen im Theater am Werk, Theater Drachengasse, Dschungel Wien u.a. Sie ist Mitglied vom Kollektiv KLAUS. Sie setzt auch eigene Produktionen um, u.a. PHANTOM mit Vorstellungen im Theater Arche & Off-Theater.

Helena Hutten
1985 in Schleswig-Holstein geboren, hat sich nach einigen Semestern Psychologiestudium vorrangig der Erziehung ihrer vier Kinder gewidmet und nebenher kreativ gearbeitet. Sie zeichnet Illustrationen zu verschiedenen Anlässen und schreibt Kurzgeschichten. Nach ihrem Umzug von Berlin nach Wien vor zwei Jahren wagte sie den Quereinstieg ins Theater. Sie war tätig u.a. im TAG-Theater an der Gumpendorfer Straße und im Bronski&Grünberg.

Isabella Händler, Thomas Frank, Lukas Koller, Josef Mohamed, Violetta Zupančič

Isabella Händler

ist eine österreichische Theater- und Filmschauspielerin. Sie absolvierte 2019 ihre Ausbildung an der diverCITYLAB Akademie für Schauspiel und Performance. Seither steht sie auf zahlreichen Bühnen, darunter im Volkstheater Wien, im Kosmos Theater und im Dschungel Wien. Im Theater am Werk war sie in Produktionen wie „Minihorror“ in der Regie von Aslı Kışlal sowie in „Im Menschen muss alles herrlich sein“ in der Regie von Mirja Biel zu sehen. 

Thomas Frank
1980 im Waldviertel geboren und aufgewachsen, entdeckte seine schauspielerischen Ambitionen an der Laienbühne Heidenreichstein. Nach einer Lehre zum Anlagenmonteur, absolvierte er 2007 seine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar. Nach jahrelangen Festanstellungen am Schauspielhaus Graz, Volkstheater Wien und am Theater an der Josefstadt, zahlreichen Gastengagements an unterschiedlichen Bühnen sowie einigen Film und Fernsehauftritten, ist er seit 2025 wieder freischaffend tätig.

Lukas Koller
wurde 1999 in Garmisch-Partenkirchen geboren und wuchs in Oberammergau auf. 2018 begann er seine Schauspielausbildung am Schauspielhaus Salzburg, wo er während des Studiums in zahlreichen Produktionen zu sehen war. In den Spielzeiten 2022/2023 sowie 2023/2024 war er festes Ensemblemitglied am Theater Paderborn. Seit 2024 ist er freischaffend und gastierte u. a. am Theater Hagen. Lukas Koller ist auch als Film- und Fernsehschauspieler sowie als Sprecher tätig.

Josef Mohamed

wurde 1989 geboren und ist Schauspieler, Performer, Kurator und Programmberater. Zahlreiche Engagements führten ihn an verschiedene Theater- und Kulturhäuser im deutschsprachigen Raum, in interdisziplinäre Kunsträume in London, Prag und Boston sowie vor die Kamera für Film und Fernsehen. Seit 2024 kuratiert Josef Mohamed das Programm der Zentralbühnen am Zürcher Theaterspektakel und unterrichtet seit 2025 an der Zürcher Hochschule der Künste. Seit 2015 ist er zudem Mitglied des auf queere Inhalte spezialisierten Ensemble The director’s theater writer’s theatre.

Violetta Zupančič

wurde 1989 in Wien geboren. Sie studierte von 2008 bis 2012 Schauspiel an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz und schloss mit Auszeichnung ab. Danach war sie mehrere Spielzeiten festes Ensemblemitglied am Theater Erlangen. Seit 2018 arbeitet sie freischaffend in ihrer Heimatstadt Wien. Sie war unter anderem am Theater am Werk in „Minihorror“ zu sehen, sowie am Kosmos Theater, Theater der Jugend und Stadttheater Klagenfurt.

Eine Produktion des Theater am Werk

Österreichische Erstaufführung

Wir danken der Bäckerei Schwarz für die freundliche Unterstützung.