„Barbarei kennt keine Kunst“: 3 Fragen an Otmar Wagner

Dein Abend trägt den Untertitel „Eine Meditation“. Und
nach der Beschreibung Deines künstlerischen Zugangs
in dieser Arbeit, mutet dieser Untertitel irgendwie auch
heilsam an. Wird dieser Abend heilsam?

Ja klar.

Dein Projekt beschreibst Du auch als ein Abgesang auf
essayistische Strategien in Deiner künstlerischen Arbeit,
die Du bisher angewandt hast. Warum verabschiedest
Du Dich von diesen Strategien?

Essayistische Strategien sind in meinem Fall seitliche Suchbewegungen und Assoziationstrips, die eine veränderte Perspektive auf persönliche, gesellschaftliche und politische Themen und Diskurse anbieten. Sie machen Sinn in einem Klima, in dem es Aussicht auf soziale Utopien gibt. Wird diese Aussicht willentlich getrübt, absichtlich verhindert oder gewaltsam versperrt, bleibt dem sensiblen Menschen die Produktion von Un-Sinn als Spiegel dieser Gewaltsamkeiten. Barbarei kennt keine Kunst. Da das Summen zu einem Dröhnen wird und der Diskursraum zu einem Kriegsschauplatz der Meinungen, ist es Zeit für mich, genau diesen Moment zu performen, in dem sich meine Kunst in ihrer Empfindlichkeit, Schwäche und Ohnmacht schleichend zersetzt.

Drohnen sind im Titel, Drohnen kommen zum Einsatz – was bedeutet dieses Objekt für Dich? Bzw. wofür steht es für Dich? Bzw. wie kam es dazu, dass es essentiell inhaltlicher Bestandteil dieser Arbeit wurde?

Erstmal war die Drohne für mich ein Begriff, der für viele unterschiedliche Assoziationen Raum gibt. Natürlich denken viele zuallererst an die Kampfdrohnen-Massaker an aktuellen Kriegsschauplätzen. Oder an die vielen schönen ‚Die Welt von oben‘-Dokus. Mein Zugang ist da eher musikalisch. Wenn der Nato-Generalsekretär meint, dass das Summen der Maschinen zum Dröhnen werden müsse, so denke ich, dass das Dröhnen der Drohnen auch zu einem Summen werden kann, wie das Geräusch eines Kühlschranks oder der Klang einer Tanpura, zu einem vielstimmigen Bordun, aus dem sich möglicherweise eine Blase der Befriedung bildet. Wenn ich so etwas schreibe, frage ich mich allerdings: Bin das noch ich, oder ist das schon mein AI Agent?
Wir wissen es nicht.

Die Fragen stellte Esther Holland-Merten.