„Am liebsten bin ich Gastgeber“: 3 Fragen an Imre Lichtenberger Bozoki

Mit „Maria und die Fledermaus“ arbeitest Du gemeinsam mit Deinem Team nach „Horses. Ein Musical“ nun an einem artenübergreifenden Singspiel. Was ist damit gemeint?

Menschen und Tiere bilden gleichermaßen und gleichwertig das Personal von Maria und die Fledermaus, und bevor jetzt die Frage kommt, ob sich Hunde und Igel überhaupt verstehen, möchte ich sagen:

„das ist nur so menschenmäßige arroganz dass immer geglaubt wird dass sich keine fremden arten treffen dürfen in der praxis. es geht immer ums wie.“ (Johannes Schrettle).

Singspiel bedeutet lediglich, dass gesungen und gespielt wird. Die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Gattungen des Musiktheaters überlasse ich gern der Musikwissenschaft; für uns Künstler*innen, die im 21. Jahrhundert Theater und Musik schreiben, verwischen sich Genregrenzen wie von sich selbst.

Das Singspiel kreist um das Thema Klimakrise – wie ist Dein Ansatz dieses virulente Thema mit dem erstmal eher „leichten“ Genre eines Singspiels zu verbinden?

Es gibt keine Einschränkungen für die Themenwahl eines Singspiels, und das Musiktheater hat sich auch immer schon drängender und komplexer Themen angenommen. Es gibt Musicals über fleischfressende Pflanzen, über soziale Ungerechtigkeit oder über die Aidskrise. Es gibt Opern über mythische Stoffe, aber auch über zeitgenössische gesellschaftliche Probleme.

Du hast Jazztrompete studiert und Deine Karriere am Theater begann zunächst als Bühnenmusiker, dann hast Du als musikalischer Leiter bei sehr vielen großen Produktionen gearbeitet und seit einigen Jahren führt Du nun auch Regie. Kannst Du sagen, in welcher Rolle Du Dich am wohlsten fühlst?

Am liebsten bin ich Gastgeber. Ich koche gerne für Leute, ich lade sie gerne ein, ich feiere gerne meinen Geburtstag, um Menschen zusammenzubringen und einen schönen Abend für sie zu gestalten. Ich bin sehr gern Theatermusiker. Neben meinen künstlerischen Aufgaben verbreite ich meistens auch einfach gute Stimmung, worüber die Produktionsteams und Regisseur*innen meist sehr froh sind. Ich bin aber auch wahnsinnig gerne Regisseur, weil das in der freien Szene bedeutet, dass ich mir selbst Projekte ausdenken und die Crew dafür zusammensuchen kann. So entstehen Zusammenarbeiten mit tollen Menschen, zu denen wir dann das Publikum einladen – und ich kann im weitesten Sinne wiederum Gastgeber sein.

Die Fragen stellte Hannah Lioba Egenolf.